Die letzten Wochen waren für mich ziemlich hart. Die Werft kam zeitlich nicht zum Weiterarbeiten, es tat sich nichts an SevenSeas, dabei war meine Zielsetzung doch unbedingt, daß in diesem Jahr die Yacht fertig wird. Die Zweifel wurden langsam aber sicher immer größer, ob das Ganze noch realisierbar ist. Dadurch, dass die Arbeiten auch überhaupt nicht vorangingen, machte ich mir immer mehr Gedanken, was noch gemacht werden muss, etc.
Ich muß an dieser Stelle die regelmäßigen Leser nochmal bitten, zurück zu blicken. Das ganze Projekt war komplett anders geplant. Da waren zwei junge, ziemlich durchgeknallte Jungs, die los wollten, die Welt sehen, etwas erleben.
Aus dieser Sicht hätte es funktioniert. Die Reinke schnappen, etwas Geld ansparen, Segel setzen und los. Es wäre möglich gewesen. Die Dinge haben sich aber recht schnell komplett geändert. Der einstige Kumpel fand nach kurzer Zeit seine neue große Liebe und wollte nichts mehr von der ganzen Aktion wissen. Nach wenigen Wochen hat er dann sogar geheiratet.
Ich hielt an dem Plan zu Segeln fest, es folgten Weiterbildungen und es blieb der unbedingte Wille, das Boot fertig zu machen und doch zu segeln. Uta fand die Idee auch immer besser, nach dem Studium einige Zeit auszuspannen und so passte das. Was mir erst über die Zeit klar wurde: Meine Ansprüche hatten sich komplett geändert. Ich brauche eine stabile Seereling, Luken, einen Kleiderschrank, Schapps, einen Dieselmotor, Autopiloten und wenns geht auch noch eine Rollfock. Wenn die Freundin mit kommt fühle ich mich verpflichtet, ein etwas komfortableres Leben zu ermöglichen und für ihre Sicherheit garantieren zu können. Die Reinke erfüllte in ihrem jetzigen Zustand diesen Anspruch nicht. Die nötigen Umbauten glichen mehr und mehr dem Ausbau eines Kaskos und standen letztendlich in keiner Relation mehr zu dem späteren Bootswert.
Wir überlegten hin und her. Dann dachte ich: Guck einfach mal ein anderes Boot an. Gesagt, getan. Uta und Joy geschnappt und los. Einfach 600km Fahrstrecke. Was folgte war die große Ernüchterung. 10,5m Stahl - Langkieler. Ungelogen - ich hab schon viel gesehen, aber noch nie einen solchen Schrott. Ein Wunder, dass es noch schwamm. Der Verkäufer meinte: "Wir haben doch noch gar nicht über den Preis gesprochen..." Meine Antwort: "der ist auch wirklich nicht relevant..." Auf der Heimfahrt streikte noch das Auto. Die Folge war eine Odyssee mit ADAC bei gefühlten 80 Grad in der Sonne und die Erkenntnis, das englische Autos einfach Divas sind und manchmal machen, was sie wollen. Der gelbe Engel hatte nämlich auch keine Ahnung, keine Schaltpläne und nix. Als wir den Briten an das Abschleppseil hängen wollten sprang er an und läuft seither wieder ohne zu murren... . Ich vermute Dampfblasenbildung in der Kraftstoffzufuhr wegen der Hitze. Auf jeden Fall war das eine riesen Aktion, die ich echt nicht wiederholen wollte.
Besagtes Stahlschiff hat mich geschockt. Sollten wir doch nach GFK schauen? Hmm ich weiss nicht. Die Boote sind gleich teurer, ich mochte dieses Stahl-Sicherheitsgefühl. Aber nie mehr wollte ich so einen Schrott besichtigen.
Vielmehr möchte ich heute noch nicht verraten. Nur so viel: Es gibt eine neue Yacht. GFK, Kurzkiel, Pinne und in Top-Zustand!. Einfach ganz anders. Sehr schnell, Werftbau mit all dem, was bisher fehlte. Vom 3flammigen Gaskocher über Backofen, Kühlbox, Dieselmotor, Furlex, Blister und und und ist jetzt alles da und startklar!
Diese ganze Entscheidung fiehl mir nicht leicht aber die Angst, sonst nie loszukommen, wurde einfach zu groß. Mir tut es dennoch irgendwie weh mit SevenSeas. Sie kann mit relativ wenig Aufwand wieder segelklar werden und den Volvo drin haben. Wie es hier weitergeht ist noch unklar. Dennoch musste ich so entscheiden, denn ich will nunmal Segeln und nicht basteln, ich hab im Vorfeld dafür selbst auch gar keine Zeit.
Demnächst mehr...
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