Uta:
Nun lass ich nach den ganzen
Prüfungs- und Lernwochen auch mal wieder was von mir hören.
Anfang August hatte ich
Zwischenprüfung in Geschichte. Die Prüfung lief soweit ganz gut. Umso
schockierender war jedoch das Ergebnis: NB (nicht bestanden)!
Aber damit ich nicht in
Selbstmitleid versinke, fand Stephan die perfekte Ablenkung für mich: Lernen
auf die SKS-Theorieprüfung im September!
Begeistert war ich zwar nicht
davon, ich wollte endlich mal eine Lernpause haben, aber ich lenkte dann doch
ein.
Mitte August hab ich noch einen
Ferienjob an Land ziehen können. Nun hieß es sich den Schichten anpassen, nicht
mehr als sieben Stunden schlafen (oder weniger) und in jeder freien Minute
lernen. Ich merkte schon zu Beginn der Lernphase, dass die Fragen nicht ganz so
simpel wie beim SBF-See waren. So viele technische Fragen und so viele
nautische Begriffe. Ich wusste zum Teil gar nicht wo mir der Kopf stand. „Ich
bin doch nur ein kleines Mädchen!“, dachte ich dann jedes Mal wenn da wieder
Fragen über Motorersatzteile etc. kam.
Aber Stephan kam immer mit dem
Standartsatz: „Jetzt mach doch mal was!“ oder „Lern was!“, wenn es so aussah,
als ob ich schwächeln würde. Aber ich nutzte sogar die Pausen beim Ferienjob,
um fleißig zu büffeln. Zwei Wochen vor der Prüfung meldete Stephan mich an.
Heute am 25.09. war der Tag der
Prüfung dann da. Ich inzwischen wieder mit den Nerven am Ende.
Die letzte Woche war wirklich
hart. Ständig die Panik, die Prüfung nicht zu bestehen, das ganze bei nicht
bestehen noch mal lernen zu müssen, wieder bei einer Prüfung zu versagen und
das schlimmste: Stephan zu enttäuschen und damit auch meinen Sponsor zu
verlieren. Stephan hat es die letzte Woche so gut er konnte vermieden mit
mir zu telefonieren, da ich nach seiner Meinung eh nicht mehr ansprechbar
gewesen wäre und: „Jede Minute zum Lernen genutzt werden muss!“
Freitag hab ich mir vom Ferienjob
frei genommen, um noch mal richtig zu pauken. Gegen 22 Uhr kam Stephan dann
nach Hause. Ich hatte die ganze Zeit noch insgeheim gehofft, dass er sich
noch dazu bewegen ließe die ganze Geschichte abzublasen. Aber stattdessen wurde
eine Lernnachtschicht eingelegt. Stephan fragte mich die Prüfungsbögen ab. Nach
einigen Stunden sagte er verzweifelt: „Man, du kannst ja wirklich nichts!“ Und
so war es eigentlich auch. All das Gelernte schien ich wieder vergessen zu
haben oder jedenfalls schwirrte es irgendwo in meinem Gehirn umher und war
nicht hundertprozentig abrufbar.
Um 01.30 Uhr beschloss Stephan
eine zweistündige Schlafpause einzulegen. Ich war zuerst dagegen, aber da auch
ich inzwischen sehr müde war (ich hatte die letzte Nacht nicht geschlafen),
ließ ich mich dann doch überreden. Um 04.00 Uhr klingelte der Wecker und das
Frage-Antwort-Spiel ging von neuem los. Um sieben Uhr beendete ich die
Lernsession mit einer Duschung. Danach war ich wie ein Wunder gar nicht mehr
panisch. Ich war sogar bestens gelaunt. Sogar Stephan staunte darüber. Dann
machten wir uns auf zum Prüfungsort. Und langsam stieg bei mir wieder die
Aufregung, aber die Anwesenheit der anderen Prüflinge beruhigte mich etwas.
Insgesamt waren wir eine Truppe von knapp 20 Prüflingen, von denen die Meisten
den SBF-See und –Binnen unter Segel machten. Zwei waren für den SRC und LRC
angemeldet und nur einer, der den SKS-Theorie- und Kartenaufgabenteil machte.
Um kurz nach neun Uhr hieß es: „Handy aus, Sie haben 90 Minuten Zeit.“ Als ich
den Fragebogen anfing zu bearbeiten hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl. All
die Fragen hatte mich Stephan gestern abgefragt und nach langen Anstrengungen
hatte ich sie auch in meinem Kopf behalten. Nach 60 Minuten war ich bereits
fertig und gab den Bogen ab. Eigentlich versuche ich immer die komplette Zeit
zu nutzten, damit ich mir hinterher nicht vorwerfen muss: „Du hättest ja
eigentlich noch Zeit gehabt, vielleicht wäre dir noch was eingefallen!“
Die anderen Prüflinge saßen
bereits im angrenzenden Restaurant und ich gesellte mich zu ihnen. Natürlich
kramte ich gleich meine SKS-Unterlagen hervor, um mir die korrekten Antworten
der Fragen durchzulesen, bei denen ich mir unsicher war. Natürlich hatte ich
auch einige falsch. Die Unsicherheit machte sich wieder breit. Stephan
erkundigte sich nach der Nummer des Bogens und als ich antwortete: „Bogen
Nummer 2.“, meinte er, dass er mich diesen Bogen gestern abgefragt hat. Nun
fing das warten an. Warten, bis die Prüfer meinen Namen aufrufen und mir sagen:
„Sie haben bestanden / nicht bestanden.“ Doch es kam keiner. Als so ziemlich
alle Prüflinge gegangen waren, ging ich in den Prüfungsraum. Der dort sitzende
Prüfer blickte von seinem Schreibtisch auf und fragte: „Ja, ist was? Haben Sie
noch eine Frage?“ „Äh, ja“, meinte ich, „ ich wollte fragen, ob ich nun
bestanden habe oder nicht.“
„Ach so“, erwiderte der Prüfer,
„ach Sie hab ich jetzt total vergessen! Oh das tut mir aber Leid. Sie haben
natürlich bestanden!“ Das war das Zauberwort! Die Glückshormone sprudelten in
mein Gehirn und überschlugen sich dort. Natürlich war auch Stephan begeistert!
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei ihm bedanken, da er die Nacht so
tapfer mit mir durchgelernt hat und mich auch noch den richtigen Bogen
abgefragt hat! Denn hätte er mich nicht den Bogen Nummer 2 abgefragt, wäre die
ganze Geschichte eventuell auch anders verlaufen.
Natürlich muss ich ja noch die
Kartennavigationsprüfung schreiben und den Praxistörn machen, bevor ich den
Schein dann wirklich in den Händen halten kann. Aber ich freu mich jetzt schon
auf das Segeln, wenn ich das Gelernte anwenden kann und ich merke, dass der
ganze Stress sich doch gelohnt hat. Allerdings kommt Stephan bei der Planung
für unseren Sommertörn im nächsten Jahr vom Hundertsten ins Tausendste. Denn
inzwischen ist aus dem anfangs zweiwöchigen Sommertörn, eine mehrmonatige Reise
nach Stockholm geworden. Jetzt kam aber noch Helsinki und schließlich St.
Petersburg dazu! Der Kerle macht mich wahnsinnig! (manchmal) 
In den nächsten Wochen wollte ich
eigentlich erst einmal entspannen und mich auf das kommende Semester
vorbereiten, aber Stephan wäre es am Liebsten, wenn ich im Oktober gleich die
Kartennavigationsprüfung ablege. Mal sehen, ob ich ihn noch umstimmen kann,
aber er ist Widder!
So, aber jetzt erst mal Heim ins
Bett und den versäumten Schlaf nachholen |